Wissenschaftliche Expertise

Die Fragebögen von kitadigital werden fortlaufend wissenschaftlich begleitet und eingeordnet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Instrumente aktuellen fachlichen Standards entsprechen und kontinuierlich verbessert werden.

Um Qualität und Aussagekraft der Fragebögen zur Standortbestimmung von Einrichtungen zu sichern, arbeitet kitadigital mit Prof. Dr. Franziska Cohen vom Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Freiburg zusammen. Sie unterstützt in der Analyse der bestehenden Instrumente sowie bei ihrer gezielten Weiterentwicklung. Nachfolgend finden Sie ihre aktuelle Einordnung sowie den vollständigen Fachbeitrag als Download.

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Digitale Standortbestimmung in Kitas – Wissenschaftliche Einordnung der Fragebögen von kitadigital

Prof. Dr. Franziska Cohen | Professur für Kindheitspädagogik | Februar 2026

Die fortschreitende Digitalisierung prägt kindliche Lebenswelten bereits im frühen Alter. Für Kindertageseinrichtungen (Kitas) als zentrale Bildungsorte ergibt sich daraus die Aufgabe, digitale Medien systematisch und pädagogisch begründet in Bildungs-, Organisations- und Kommunikationsprozesse einzubinden (SWK, 2022). Im Mittelpunkt steht nicht die Technologie als Selbstzweck, sondern die Qualität der digital gestützten unmittelbaren und mittelbaren pädagogischen Arbeit: Lerngelegenheiten sollen angeregt, Beziehungen und Interaktionen unterstützt, Beobachtung und Dokumentation systematisiert sowie Teamarbeit und die Zusammenarbeit mit Familien verlässlich gestaltet werden.

"Im Mittelpunkt steht nicht die Technologie als Selbstzweck, sondern die Qualität der digital gestützten unmittelbaren und mittelbaren pädagogischen Arbeit."

Die unmittelbare pädagogische Arbeit folgt dabei den Grundprinzipien der frühen Bildung und bleibt auf die Bildungsprozesse der Kinder bezogen. Modelle kindlicher digitaler Kompetenzen betonen vielfältige, altersangemessene Lerngelegenheiten – vom explorativ-kreativen Umgang mit Medien über Kommunikation und Kooperation bis zu ersten informationsbezogenen Kompetenzen – stets eingebettet in Spiel, soziale Beziehungen und Partizipation (Grassmann et al. 2022).

Mehrdimensionale Qualität in der digitalen Transformation

In Steuerungsdebatten wird Digitalisierung inzwischen als mehrschichtiger Transformationsprozess gefasst, der pädagogische Praxis und Organisation gleichermaßen betrifft (OECD, 2023; SWK, 2022). Für Kitas heißt das, digitale Technologien breit und umfassend zu integrieren, als Kommunikations- und Dokumentationsmedien, als Lerninhalte und als Arbeitswerkzeuge in administrativen Prozessen sowie in Team- und Personalentwicklung und in der Elternzusammenarbeit (Knauf, 2019).

Ob digitale Technologien wirksam werden, hängt maßgeblich von strukturellen, situativen und personalen Bedingungen ab. Ein mehrdimensionales Qualitätsverständnis, wie im erweiterten Struktur-Prozess-Modell (Anders & Oppermann, 2024) beschrieben, macht sichtbar, dass Strukturqualität (z. B. technische Ausstattung, Datenschutz, Support), professionelle Kompetenzen der Fachkräfte (z. B. Wissen, Einstellungen), Team- und Organisationsprozesse sowie die Implementationsqualität (Begleitung, Verstetigung) gemeinsam eine hohe Prozessqualität im pädagogischen Alltag ermöglichen.

"Ob digitale Technologien wirksam werden, hängt maßgeblich von strukturellen, situativen und personalen Bedingungen ab."

Neben Technik braucht es daher konzeptionelle Verankerung, systematische Qualifizierung und strategisch ausgerichtete Organisationsentwicklung. Eine umfassende digitale Transformation ist damit als längerfristiger, intentional gesteuerter Prozess zu verstehen, der gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten, tragfähige Routinen und transparente Kommunikation im Team, mit den Eltern und mit dem Träger erfordert.

Warum Fachkräftekompetenzen entscheidend sind

Nachhaltige Organisationsentwicklung ist erfolgreich, wenn professionelle Kompetenzen der frühpädagogischen Fachkräfte berücksichtigt werden. Professionelle Kompetenzen umfassen verschiedene Facetten wie Wissen (fachlich, fachdidaktisch, allgemeinpädagogisch), Einstellungen und Überzeugungen, Motivation und Selbstwirksamkeit sowie selbstreguliertes Handeln; diese Facetten wirken zusammen (Anders & Oppermann, 2024; Mishra & Koehler, 2006). Diese Perspektive schützt vor eindimensionaler Technikfokussierung und unterstützt Teams dabei, die Passung zwischen pädagogischem Ziel, Inhalten und verfügbaren Technologien herzustellen.

Ergänzend erklären Akzeptanz- und Selbstwirksamkeitsaspekte – insbesondere wahrgenommene Nützlichkeit, Benutzbarkeit und eigene Handlungssicherheit – die tatsächliche Nutzungspraxis. Für die Praxis folgt daraus: Fortbildung und Unterstützung sollten Wissen und Überzeugungen zugleich adressieren und Nutzungsbarrieren gezielt abbauen.

Rollen und Handlungsfelder im Transformationsprozess

Die Rollen im Transformationsprozess einer Einrichtung sind auf verschiedenen Schultern verteilt. Die Leitung schafft Orientierung, priorisiert und sichert Ressourcen (Zeitfenster, Fortbildung, Unterstützung), moderiert Aushandlungsprozesse und achtet auf Realisierbarkeit im Alltag. Träger und Fachberatung stellen verlässliche Rahmenbedingungen bereit, begleiten Implementationsprozesse und unterstützen die Qualifizierung. Familien werden transparent einbezogen und Medienerziehung thematisiert.

Vor diesem Hintergrund dienen die Fragebögen von kitadigital als Instrument für eine individuelle Standortbestimmung einer Kita und weisen zugleich Entwicklungsrichtungen auf, ohne Einrichtungen auf vorgegebene Lösungen festzulegen. Inhaltlich strukturieren vier Handlungsfelder die Erhebung und verbinden pädagogische und organisationale Logiken: Leitbild und Organisation (Werte, Zielbilder, konzeptionelle Verankerung und Leitungshandeln), Personal und Personalentwicklung (professionelle Kompetenzen, Teamlernen, Fortbildungsbezug, Haltungen und Selbstwirksamkeit), Pädagogik und Bildung (Prozessqualität, also die Einbettung digitaler Medien in beziehungs- und spielbasierte Lernsettings einschließlich Beobachtung/Dokumentation und Reflexion) sowie Infrastruktur (Ausstattung, Datenschutz, Zugänge und Support als Voraussetzung, nicht als Garant gelingender Praxis).

"Vor diesem Hintergrund dienen die Fragebögen von kitadigital als Instrument für eine individuelle Standortbestimmung einer Kita und weisen zugleich Entwicklungsrichtungen auf, ohne Einrichtungen auf vorgegebene Lösungen festzulegen."

Diese Struktur macht Befunde interpretierbar und anschlussfähig für Entscheidungen. Werden zum Beispiel vor allem strukturelle Lücken sichtbar? Treten eher Kompetenz- und Haltungsaspekte hervor? Sind alle Akteure einbezogen? Dominieren Fragen zu Abläufen und Verantwortlichkeiten?

Von der Standortbestimmung zur tatsächlichen Weiterentwicklung

Damit Ergebnisse über die Standortbestimmung hinaus wirksam werden, empfiehlt sich ein zyklisches Vorgehen: Ausgangslage klären, wenige prioritäre Ziele vereinbaren, Ressourcen binden, in kleinen Schritten erproben, Rückmeldungen aus dem Team, von Kindern und Familien einholen, nachsteuern und Bewährtes verankern (z.B. in der Konzeption). Aussagekräftig sind dabei nicht nur die Häufigkeit der Nutzung digitaler Werkzeuge, sondern vor allem die Qualität und der Einsatzzweck in der pädagogischen Arbeit, die Klarheit von Abläufen und Verantwortlichkeiten, die wachsende Selbstwirksamkeit im Team sowie die strukturierte Einbindung der Familien.

Zusammengefasst unterstützen die Fragebögen von kitadigital Kitas, Leitungen und Träger dabei, die umfassende Digitalisierung als qualitätsorientierte Organisationsentwicklung zu gestalten. Sie integrieren die relevanten Ebenen (Struktur, Prozess, Organisation/Leitung und Implementierung) und verbinden Kompetenzperspektiven, sodass Entwicklungsstände transparent werden und nächste Schritte begründet geplant werden können. Ziel ist nicht die isolierte häufige Technikanwendung, sondern die verlässliche Einbettung digitaler Technologien in qualitativ hochwertige pädagogische Prozesse mit Blick auf gute Lern- und Entwicklungsbedingungen der Kinder, die professionelle Handlungsfähigkeit der Teams und tragfähige Strukturen der Einrichtung.

Literatur

  1. Anders, Y., & Oppermann, E. (2024). Frühpädagogische Qualität in Kindertageseinrichtun-gen: Eine Erweiterung des Struktur-Prozess-Modells. Zeitschrift für Erziehungswis-senschaft, 27(2), 551–577. https://doi.org/10.1007/s11618-024-01218-7
  2. Grassmann, S., Vogt, F., Bauer, A., Westphal, S., Bempreiksz-Luthardt, J., Walter-Laager, C. (2022). Digitale Bildung in der Elementarpädagogik. https://www.phsg.ch/sites/default/files/download/2022/Digitale_Bildung_in_der_Elementar
    paedagogik_2022.pdf
  3. Knauf, H. (2019). Digitalisierung in Kindertageseinrichtungen. Ergebnisse einer Fragebo-generhebung zum aktuellen Stand der Nutzung digitaler Medien (Nr. 3).
  4. Mishra, P., & Koehler, M. J. (2006). Technological Pedagogical Content Knowledge: A Framework for Teacher Knowledge. Teachers College Record, 108(6), 1017–1054. https://doi.org/10.1111/j.1467-9620.2006.00684.x
  5. OECD. (2023). Empowering Young Children in the Digital Age. OECD. https://doi.org/10.1787/50967622-en
  6. SWK. (2022). Digitalisierung im Bildungssystem: Handlungsempfehlungen von der Kita bis zur Hochschule. Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kul-tusministerkonferenz (SWK). Bonn. https://doi.org/10.25656/01:25273

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